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31.10.2008 - Managerinnen-Talk bei der IHK:
Dokumentennummer: p495
Arbeitnehmer 50plus – Chance oder Risiko?

Belastung oder Bereicherung? Chance oder Risiko? Wie geht die Wirtschaft in Zeiten von Fachkräftemangel und einer alternden Gesellschaft mit älteren Arbeitnehmern um? Das war Thema beim Managerinnen-Talk in der IHK Krefeld. Das „Zentrum Frau in Beruf und Technik“ hatte die Veranstaltung organisiert. Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, betonte im Rahmen seiner Begrüßung, dass die Klischees „alt gleich krank und alt gleich nicht mehr leistungsfähig“ längst überholt seien.

Diese Einschätzung bestätigte auch Christiane Schönefeld. Die Leiterin der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit referierte zum Einstieg in das Thema über neue Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie kritisierte, dass viele Betriebe die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft ignorierten: „Laut einer Studie gehen nur 16 Prozent der kleineren Unternehmen davon aus, dass der demografische Wandel für sie Folgen haben wird.“ Die Entscheidung für die Rente mit 67 sei ein deutliches Signal gewesen, so Schönefeld: „Längere Lebensarbeitszeit statt Frühverrentung.“ An Wirtschaft und Politik appellierte sie: „Wir können nicht sagen ,Ihr müsst länger arbeiten’ und geben den Menschen dann gar nicht die Möglichkeit, länger zu arbeiten.“

Doch es gebe auch positive Nachrichten. So sei von 2001 bis 2008 die Arbeitslosigkeit von Menschen im Alter von über 50 Jahren von 20 auf 13 Prozent gesunken. „Aber es gibt noch viel zu tun“, betonte Schönefeld. „Es muss Normalität werden, dass Menschen jenseits der 60 arbeiten.“ Ein gutes Beispiel sei Finnland: „Dort gibt es Rentenzuschläge, wenn man länger arbeitet. Bei uns gibt es stattdessen Abschläge, wenn man früher aufhört.“

In der anschließenden Diskussion erörterten Managerinnen aus der Region das Thema. Auf dem Podium: Ulrike Gewehr, Geschäftsführende Gesellschafterin von In Time Personal-Dienstleistungen, Annely Hüsen, Geschäftsführerin der Servico EDA – Europäische Dienstleistungs Akademie, Martina Minten-Schalley, Geschäftsführerin Dimension Polyant, Sabine Mutert, stellvertretende Personalleiterin bei Dr. Hahn, und Birgitta Schulten, Leiterin Vertriebsinnendienst bei Wumag Texroll.

Personalentwicklerin Mutert räumte ein, dass immer wieder zu hören sei, ältere Mitarbeiter seien häufiger krank und zu teuer. „Aber im Arbeitsalltag erlebe ich Ältere als sehr selbstbewusst und leistungsstark.“ Personaldienstleisterin Gewehr stimmte ihr zu: „Die Älteren überzeugen bei meinen Kunden mit Souveränität, Fachkenntnis, Pflichtbewusstsein und Erfahrung.“ Beim Segeltuch-Hersteller Dimension Polyant ist die Mehrheit der Mitarbeiter älter als 50 Jahre, wie Geschäftsführerin Minten-Schalley betonte. „Und damit sind wir sehr zufrieden.“

Als Fehler bezeichneten die Managerinnen, dass viele Unternehmen nicht genug in die Weiterbildung ihrer älteren Mitarbeiter investierten. „Dabei kann ich aus meiner Erfahrung sagen, dass ältere Menschen Neues viel schneller umsetzen als jüngere“, sagte Annely Hüsen und forderte: „Die Gesellschaft muss erkennen, dass Alter und Jugend nicht die entscheidenden Kriterien sind.“

Martina Minten-Schalley prophezeite: „Der demografische Wandel wird die Unternehmen schon bald dazu zwingen, auf ältere Menschen zurückzugreifen. Deshalb sollten sich die Betriebe jetzt schon darauf vorbereiten.“ Birgitta Schulten appellierte zum Schluss: „Wir sollten die älteren Arbeitnehmer nicht anpreisen wie sauer Bier. Die Alten sind gut. Wir können von ihrem Wissen profitieren.“

Bildtext: Managerinnen aus der Region diskutieren bei der IHK unter dem Motto: „Arbeitnehmer 50plus – Chance oder Risiko“. Von links: Ulrike Gewehr, Sabine Mutert, Martina Minten-Schalley, Moderatorin Anke Fabian, Annely Hüsen und Birgitta Schulten.
Foto: IHK
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